Zur Gründung der Cusanus Hochschule

„Kann man überhaupt eine Hochschule gründen? Darf man das? Solche Fragen habe ich in den letzten Jahren oft gehört. Die staatliche Anerkennung der Cusanus Hochschule im Mai 2015 beantwortet diese Fragen mit einem zweifachen Ja. Zugleich zeigt sie, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. Zu viele Hürden gerade auch bürokratischer Art stehen einer solchen Gründung im Weg. Es ist nicht leicht, Entscheidungsträger in diesem Lande davon zu überzeugen, dass akademische und gesellschaftliche Initiativen wie die Cusanus Hochschule ernster zu nehmen sind als der bloße Versuch von wenigen Freunden, eine irgendwie geartete Bildungseinrichtung zu gründen. Und noch schwerer lässt sich ausmachen, wer heutzutage überhaupt die Kompetenz besitzt, über Fragen von Wissenschaftlichkeit, Wirtschaftlichkeit etc. in der Bildung zu entscheiden.

Warum aber gründet man eine Hochschule? Diese Frage höre ich mindestens ebenso häufig. Hier kommt der Versuch einer persönlichen Antwort: Ich bin überzeugt, dass wir Bildung, speziell die ökonomische und philosophische Bildung inhaltlich erneuern müssen. Realitätsnähe, Geschichtsbewusstsein, Pluralität, Persönlichkeitsbildung und eine verantwortungsbewusste Forschung sind dabei wesentliche Stichworte. Doch lässt sich eine solche Erneuerung nicht glaubwürdig durchführen, ohne zugleich die Form der Bildung zu verändern. Seit Jahrzehnten werden zunehmend alle marktfremden Gesichtspunkte aus den Interaktionsbeziehungen von Forschenden, Lehrenden und Lernenden entfernt. Das Lernen, Lehren und Forschen wird wie ein Wettbewerb organisiert, bei dem alle nur noch durch auf abstrakte und anonyme Regeln und Signale (allen voran des Geldes) reagieren. Bildung verkommt damit zu einem Spiel, dessen Spieler keinerlei Möglichkeit haben, die Regeln ihres Zusammenwirkens mitzugestalten. In der Folge droht sich mein Beruf als Professorin darauf zu reduzieren, Studierenden durch ein vorgegebenes Curriculum zu lotsen. Dem ursprünglichen Wortsinn nach ist ein Curriculum aber nicht mehr als eine ringförmige Rennbahn standardisierter Länge, auf der Konkurrenten um den Sieg ringen.

Muss das wirklich so sein? Sind wir Professoren tatsächlich dazu verdammt, uns auf reine Produktionsfaktoren in einer Bildungsmaschinerie reduzieren lassen, wie es die OECD bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts postuliert hat? Oder können und dürfen, ja müssen wir – gemeinsam mit Studierenden und gesellschaftlichen Akteuren – den Bildungsprozess nicht doch in weiten Teilen in Verantwortung für Mitmensch und Mitwelt gestalten, sowohl in inhaltlicher, rechtlicher, ökonomischer als auch organisatorischer Hinsicht? Ich beteilige mich am Aufbau der Cusanus Hochschule, um aktiv und sehr konkret diese und ähnliche Fragen anzugehen. Ich möchte, dass Studierende an ihrer Hochschule nicht nur etwas über Unternehmens-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgestaltung lernen, sondern zugleich aktiv eine solche Gestaltung miterleben und an ihr mitwirken können. Nur in diesem Zusammenspiel von Form und Inhalt, so meine ich, kann eine freie und zugleich verantwortungsbewusste Bildung im 21. Jahrhundert glaubhaft gelingen. Ich lade Sie ein, daran teilzuhaben!

Weitere Informationen zur Cusanus Hochschule finden Sie hier:   Homepage.

 


Kritik an der Volkswirtschaftslehre

Die moderne Lehrbuchökonomie hat eine wahre Monokultur des Denkens geschaffen. Weltweit führt sie allein in die Neoklassik ein, ohne mögliche Alternativen auch nur zu nennen. Zugleich verzichtet sie konsequent darauf, das ökonomische Denken selbst zu lehren: keine Theoriegeschichte, kaum Methodenlehre, keine Einführung in alternative Sichtweisen. Eine solche Art der ökonomischen Bildung halte ich für kurzsichtig und verantwortungslos. Folglich habe ich sie in vielfacher Hinsicht in meinen Veröffentlichungen sowie Vorträgen kritisiert und Alternativen aufgezeigt.